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Zwischen Kornkammer, Kessel und Festtafel

Essen im Mittelalter: Was aßen die Menschen wirklich?

Brot, Brei und Getreide bildeten vielerorts die Grundlage. Doch in Kesseln und Vorratskammern lagen auch Hülsenfrüchte, Kohl, Obst, Käse, Fisch und Fleisch. Was davon auf den Tisch kam, entschieden Ort, Jahreszeit, Besitz und Kirchenkalender.

Buchmalerei eines mittelalterlichen Festmahls mit Speisen, Gefäßen und mehreren Personen
Festmahl in einer französischen Handschrift, 1290–1300 · British Library Add MS 28162, fol. 10v · gemeinfrei via Wikimedia Commons

Getreide war für viele Menschen die wichtigste Nahrungsgrundlage. Es kam als Brot, Brei, Grütze oder Mehlspeise auf den Tisch. Dazu aßen Menschen je nach Region und Jahreszeit Hülsenfrüchte, Kohl, Rüben, Obst, Milchprodukte, Eier, Fisch und Fleisch.

Einen einzigen Speiseplan für das Mittelalter gab es nicht. Ein wohlhabender Stadthaushalt kaufte anders ein als ein kleiner Bauernhof. Ein Kloster folgte anderen Regeln als ein Fürstenhof. Selbst am selben Ort veränderten Ernte, Preise, Fastenzeit und Festtag die Mahlzeit.

Die schnelle AntwortEine Speisekammer, viele Möglichkeiten
01

Getreide

Roggen, Dinkel, Gerste, Hafer oder Hirse, je nach Region

02

Hülsenfrüchte

Erbsen, Bohnen und Linsen als sättigende Garten- und Feldfrüchte

03

Gemüse

Kohl, Rüben, Lauch, Zwiebeln und weitere saisonale Sorten

04

Obst

Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Beeren und Nüsse

05

Milch & Eier

Frische oder verarbeitete Produkte, abhängig von Tierhaltung und Haushalt

06

Fleisch

Schwein, Rind, Schaf, Ziege oder Geflügel in sehr unterschiedlicher Menge

07

Fisch

Aus Flüssen, Seen, Küsten, Teichen oder als haltbare Handelsware

08

Würze

Salz, Kräuter, Senf und für Begüterte teure Importgewürze

Die wichtigste Einordnung

Es gab nicht den einen mittelalterlichen Speiseplan

Das europäische Mittelalter umfasste rund tausend Jahre und sehr unterschiedliche Landschaften. An einer Küste war anderer Fisch verfügbar als im Binnenland. Wein wuchs nicht in denselben Regionen wie Hafer oder Roggen. Städte waren stärker von Märkten abhängig, während ländliche Haushalte einen Teil ihrer Nahrung selbst erzeugten.

Auch soziale Gruppen waren nicht einheitlich. Manche Bauern bewirtschafteten große Höfe, andere besaßen kaum Land. Unter Stadtbewohnern reichte das Spektrum vom Tagelöhner bis zum reichen Kaufmann. „Bauernkost“ und „Adelsessen“ sind deshalb nützliche Orientierungspunkte, aber keine festen Menükarten.

OrtBoden, Klima und Markt
ZeitEpoche und Erntejahr
StellungBesitz, Einkommen und Rechte
KalenderJahreszeit, Fasten und Fest

Die tragende Grundlage

Getreide wurde zu Brot, Brei und vielen weiteren Speisen

Getreide lieferte einen großen Teil der Energie. Welche Art angebaut wurde, hing von Boden und Klima ab. Im deutschsprachigen Raum spielten unter anderem Roggen, Dinkel, Gerste, Hafer und Hirse eine Rolle. Weizen eignete sich für helleres Feinmehl, war aber anspruchsvoller und oft teurer.

Aus Korn entstand nicht nur Brot. Geschrotetes oder gemahlenes Getreide ließ sich kochen, rösten, zu Grütze verarbeiten oder mit anderen Zutaten verbinden. Mittelalterliche Begriffe wie muos bezeichneten dabei ein breiteres Feld von Speisen als unser heutiges Wort „Brei“.

Vom Korn zur MahlzeitFünf Schritte, viele Arbeitsstunden
  1. 01

    Anbau

    Saat, Boden und Wetter entschieden über den möglichen Ertrag.

  2. 02

    Ernte

    Sicheln, Arbeitsteilung und Zeitdruck prägten die arbeitsreichste Phase.

  3. 03

    Dreschen

    Korn musste aus den Ähren gelöst, gereinigt und getrocknet werden.

  4. 04

    Mahlen

    Handmühle oder Mühle verwandelten das Korn in Schrot und Mehl.

  5. 05

    Kochen & Backen

    Aus derselben Grundlage entstanden Brei, Grütze, Brot und Mehlspeisen.

Brot begann lange vor dem Ofen. Ernte, Dreschen und Mahlen machten jede Mahlzeit von Arbeit, Technik und Zugang zu Mühlen abhängig.

Auch Brot zeigte soziale Unterschiede. Feines Weißbrot aus stark ausgesiebtem Weizenmehl galt als hochwertig. Dunklere Brote aus Roggen, Dinkel oder Mischgetreide waren weiter verbreitet. In Krisenzeiten konnten Mehl und Teig mit anderen pflanzlichen Bestandteilen gestreckt werden.

Feuer, Kessel und Backofen

Vom Feld über Herd und Ofen auf den Tisch

Viele warme Speisen entstanden in einem Topf oder Kessel über dem Feuer. Darin ließen sich Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Fett und kleine Mengen Fleisch gemeinsam garen. Diese Zubereitung sparte Brennstoff und machte aus wechselnden Vorräten eine sättigende Mahlzeit.

Backöfen verlangten mehr Aufwand. Je nach Ort standen sie in einem Haushalt, einer herrschaftlichen Anlage, einem Kloster, einer gewerblichen Backstube oder als gemeinsam genutzte Einrichtung. Mühlen- und Backrechte konnten zugleich wirtschaftliche Macht bedeuten. Müller, Bäcker, Fleischer und weitere spezialisierte Tätigkeiten gehören in den größeren Zusammenhang der Berufe im Mittelalter.

Mittelalterliche Buchmalerei mit Bäcker, Backofen, Brotlaiben und einer Kundin
Brotverkauf und Backofen im Tacuinum Sanitatis, 14. Jahrhundert · Casanatense 4182 · gemeinfrei via Wikimedia Commons
Feuer

Hitze kontrollieren

Holz, Glut, Abstand und Gefäß bestimmten die Temperatur.

Gefäß

Kochen und lagern

Keramik, Metall und Holz erfüllten verschiedene Aufgaben.

Zeit

Langsam garen

Ein Topf konnte über Stunden mit wechselnden Zutaten weiterkochen.

Arbeit

Versorgen und reinigen

Wasser, Brennstoff und Vorräte mussten täglich bewegt werden.

Mehr als Korn

Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Kräuter ergänzten den Speiseplan

Erbsen, Bohnen und Linsen sättigten und ließen sich trocknen. Kohl, Rüben, Lauch, Zwiebeln, Gurken und weitere Gartenpflanzen kamen regional und saisonal hinzu. Das genaue Angebot lässt sich nicht auf eine Liste für ganz Europa reduzieren.

Obstgärten lieferten Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Quitten. Wald und Hecken boten Nüsse, Beeren und Pilze. Ein Teil wurde frisch gegessen, ein Teil gedörrt, gekocht oder eingelagert. Kräuter, Senf, Zwiebeln und Knoblauch gaben Speisen Geschmack, ohne dass dafür kostbare Importware nötig war.

FeldGetreide · Erbsen · Bohnen

Große Mengen, Erntearbeit und trockene Lagerung.

GartenKohl · Rüben · Lauch

Saisonale Vielfalt nah am Haus oder innerhalb der Stadt.

ObstgartenApfel · Birne · Kirsche

Frisch, gekocht oder für den Winter gedörrt.

Wald & HeckeNüsse · Beeren · Pilze

Nutzungsrechte und lokales Wissen bestimmten den Zugang.

Kein einfaches Ja oder Nein

Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte waren sehr unterschiedlich verfügbar

Die Frage „Aßen einfache Menschen Fleisch?“ hat keine Antwort für alle Jahrhunderte. Viehbestand, Schlachtzeit, Preise, Fastenregeln und regionale Wirtschaftsformen veränderten den Konsum. Nach Bevölkerungsverlusten konnte Fleisch zeitweise leichter verfügbar werden; in dicht besiedelten oder armen Haushalten blieb es knapper.

Tiere wurden nicht nur zum Essen gehalten. Ein Rind zog den Pflug, ein Schaf lieferte Wolle, eine Kuh Milch und ein Huhn Eier. Die Entscheidung zu schlachten bedeutete daher, auf weitere Leistungen zu verzichten. Verarbeitet wurde möglichst viel vom Tier, nicht nur das heute bevorzugte Muskelfleisch.

01Stall & Hof

Schwein · Rind · Schaf · Ziege · Geflügel

Tiere lieferten nicht nur Fleisch, sondern auch Zugkraft, Dünger, Milch, Eier, Wolle und Leder.

02Milch & Ei

Käse · Butter · Schmalz · Eier

Verarbeitung verlängerte die Haltbarkeit; Zugang und Bedeutung unterschieden sich regional.

03Fluss, See & Küste

Süßwasserfisch · Seefisch · Stockfisch

Fangrechte, Transport, Konservierung und Fastenregeln beeinflussten die Verfügbarkeit.

04Wald & Jagd

Hirsch · Reh · Wildschwein · Vögel

Wild war sichtbar und begehrt, spielte im Alltag aber eine andere Rolle als Viehhaltung und blieb oft herrschaftlich kontrolliert.

Essen zeigte Zugehörigkeit

Bäuerliche, städtische, klösterliche und höfische Tafeln unterschieden sich

Der Gegensatz lag nicht nur zwischen „Brei“ und „Braten“. Wohlstand zeigte sich in der Qualität des Brotes, in Menge und Auswahl, in besonderen Fischen oder Fleischstücken, in importierten Gewürzen und in der Zahl der Gänge. Auch Geschirr, Sitzordnung und Bedienung machten Rang sichtbar.

01Ertrag und Vorrat

Bäuerlicher Haushalt

Eigener Anbau, Abgaben, Tierhaltung und Besitz bestimmten die Menge. Bauer war dabei nicht gleich Bauer.

02Markt und Einkommen

Stadt und Handwerk

Viele Stadtbewohner kauften Getreide, Brot, Fleisch oder Fisch. Preise und Versorgung trafen arme Haushalte besonders hart.

03Regel und Gemeinschaft

Kloster

Fasten, gemeinsames Essen und eigener Grundbesitz schufen einen besonderen Rahmen, der je nach Orden und Haus variierte.

04Auswahl und Rang

Hof und Oberschicht

Feinere Brote, mehr Gänge, kostbare Gewürze und eine aufwendige Präsentation konnten Herrschaft sichtbar machen.

Eine gemalte Festtafel ist deshalb wertvoll, aber nicht neutral. Sie zeigt, wie Überfluss, Ordnung und Gastfreundschaft dargestellt werden sollten. Der gedeckte Tisch im Titelbild gehört zu einer repräsentativen Szene, nicht zum Beweis dafür, dass Adlige täglich so aßen. Wie Rang grundsätzlich organisiert wurde, erklärt der Artikel über die Ständegesellschaft im Mittelalter.

Essen folgte dem Jahr

Jahreszeiten, Vorräte und Hunger bestimmten die Ernährung

Moderne Supermärkte trennen Angebot und Erntezeit. Mittelalterliche Haushalte erlebten diese Verbindung unmittelbar. Im Herbst konnten Speicher voll sein; im folgenden Frühjahr waren dieselben Vorräte vielleicht fast aufgebraucht. Schädlinge, Feuchtigkeit und Fäulnis bedrohten einen Teil der Ernte zusätzlich.

01

Frühjahr

Vorräte wurden knapp; erste Kräuter und junge Pflanzen ergänzten die Kost.

02

Sommer

Garten, Milch, Eier und frühe Früchte erweiterten das Angebot.

03

Herbst

Ernte, Obst, Nüsse und Schlachtvorbereitung füllten Speicher und Keller.

04

Winter

Getreide, Hülsenfrüchte, Kohl, Rüben und haltbar gemachte Waren trugen durch die kalte Zeit.

Jahreslaufernten · lagern · teilen

Haltbarmachen war keine Nebensache, sondern Überlebensarbeit. Es bewahrte nicht alles und nicht unbegrenzt. Doch ohne Trocknen, Salzen, Räuchern, Säuern und geeignete Lagerorte hätte kein größerer Haushalt den Winter verlässlich planen können.

01

Trocknen

Getreide, Kräuter, Pilze und Fisch verloren Feuchtigkeit.

02

Dörren

Obst hielt länger und lieferte Süße in der kalten Jahreszeit.

03

Salzen

Fleisch und Fisch wurden haltbarer, benötigten aber kostbares Salz.

04

Räuchern

Rauch, Wärme und Trocknung schützten Fleisch und Fisch.

05

Säuern & Gären

Kraut, Gemüse, Getränke und Milch konnten gezielt verändert werden.

06

Kühle Lagerung

Keller, Gruben und Speicher halfen, waren aber kein moderner Kühlschrank.

Der Kirchenkalender aß mit

Fastentage veränderten den Speiseplan

Im lateinischen Christentum begrenzten zahlreiche Fasten- und Abstinenztage den Verzehr bestimmter tierischer Speisen. Freitage, längere Fastenzeiten vor Ostern und weitere Termine machten den Kirchenkalender auch in der Küche spürbar. Die Regeln und ihre praktische Einhaltung unterschieden sich nach Zeit, Region und sozialem Umfeld.

Fasten

Verzicht ordnete den Alltag

Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte und, wenn verfügbar, Fisch konnten Fleisch ersetzen.

Fest

Überfluss machte Gemeinschaft sichtbar

Kirchliche Hochfeste, Hochzeiten und Herrschaftsanlässe erlaubten reichere und symbolisch aufgeladene Mahlzeiten.

In Klöstern konnte das Essen besonders genau geregelt sein. Im Zisterzienserkloster Maulbronn verbanden sich gemeinsame Mahlzeit, Tischlesung und Fastengebot. Welche Regeln außerdem den Tag bestimmten, zeigt der Artikel über Mönche und Klosterleben im Mittelalter.

Geschmack und Status

Gewürze, Salz, Honig und Zucker waren nicht dasselbe

Eine mittelalterliche Küche musste nicht fade schmecken. Heimische Kräuter, Zwiebeln, Knoblauch, Senf, Meerrettich, Salz, Essig und säuerliche Säfte boten viele Möglichkeiten. Ihre Verfügbarkeit war näher und meist weniger kostspielig als die von Importgewürzen.

01Nah und erreichbar

Petersilie, Liebstöckel, Zwiebel, Knoblauch, Meerrettich, Senf

Geschmack musste nicht aus fernen Ländern kommen.

02Unverzichtbar

Salz und Säure

Sie würzten und halfen zugleich bei der Vorratshaltung.

03Teurer Fernhandel

Pfeffer, Zimt, Safran, Nelken, Ingwer

Importierte Gewürze zeigten Kaufkraft und internationale Verbindungen.

04Süße

Honig, Dörrobst und für Reiche Rohrzucker

Zucker war bekannt, aber kein alltägliches Haushaltsprodukt.

Pfeffer, Safran, Zimt, Nelken oder Ingwer reisten über weite Handelswege. Sie konnten ein Gericht verfeinern und zugleich zeigen, dass ein Haushalt Zugang zu Geld und Fernhandel besaß. Honig und Dörrobst lieferten Süße. Rohrzucker war bekannt, blieb aber für lange Zeit kostbar.

Warum neben diesen auffälligen Importen vor allem Salz, Getreide, Fisch, Wein und andere Massengüter wirtschaftlich wichtig waren, erklärt die Vertiefung über Handel und Märkte im Mittelalter.

Brunnen, Fass und Becher

Was tranken Menschen im Mittelalter?

Menschen tranken Wasser aus Quellen, Brunnen und Leitungen. Seine Qualität hing vom Ort und von Verunreinigungen ab. Die Aussage, Wasser sei überall untrinkbar gewesen, ist ebenso falsch wie die Vorstellung einer immer sicheren Versorgung.

Bier und Wein waren wichtige Getränke, aber regional sehr verschieden verbreitet. Sie lieferten Energie, gehörten zu Abgaben, Löhnen, Gastlichkeit und Ritualen und konnten unterschiedlich stark oder verdünnt sein. Dazu kamen je nach Landschaft weitere Getränke aus Obst, Honig oder Kräutern.

WasserQuelle · Brunnen · Leitung

alltäglich, lebensnotwendig und örtlich unterschiedlich sauber

BierGetreide · Wasser · Brauen

regional wichtig und in sehr verschiedenen Qualitäten hergestellt

WeinAnbau · Handel · Status

in Weinregionen näher, andernorts stärker von Transport und Kaufkraft abhängig

Essen war eine soziale Handlung

Mahlzeiten, Geschirr und Tischsitten zeigten Gemeinschaft und Rang

Gegessen wurde häufig aus gemeinsamen Schüsseln oder von Brotunterlagen und einfachen Tellern. Löffel und Messer waren wichtige Werkzeuge; Finger gehörten selbstverständlich zum Essen. Gabeln waren in einzelnen gehobenen Zusammenhängen bekannt, aber noch lange kein allgemeiner Standard.

Die Zahl und Uhrzeit der Mahlzeiten folgten keinem heutigen Drei-Mahlzeiten- Schema. Arbeit, Tageslicht, Hausordnung und Fasten konnten zwei größere Mahlzeiten, Zwischenbissen oder andere Rhythmen hervorbringen. Bei Hofe regelten Sitzordnung, Bedienung und Reihenfolge zusätzlich den Rang.

Teilen

Schüssel und Brot

Gemeinsames Essen verlangte Rücksicht und machte Zugehörigkeit sichtbar.

Ordnen

Sitzplatz und Reihenfolge

Wer wo saß und zuerst bedient wurde, konnte gesellschaftliche Stellung zeigen.

Zeigen

Geschirr und Gänge

Material, Menge und Präsentation wurden an reichen Tafeln zur Sprache der Macht.

Ein schneller Gegenwartscheck

Diese Lebensmittel gab es im europäischen Mittelalter noch nicht

Viele Gerichte, die heute als selbstverständlich europäisch gelten, wären im Mittelalter unmöglich gewesen. Mehrere zentrale Zutaten gelangten erst nach den Atlantikfahrten aus Amerika nach Europa; andere verbreiteten sich hier erst in der Neuzeit.

01

Kartoffel

kam erst nach dem Mittelalter aus Amerika nach Europa

02

Tomate

gehörte nicht zur mittelalterlichen europäischen Küche

03

Mais

wurde erst nach den Atlantikfahrten in Europa bekannt

04

Kakao

war in Europa noch kein Getränk oder Lebensmittel

05

Kaffee

verbreitete sich in Europa erst in der Neuzeit

06

Vanille

stand mittelalterlichen europäischen Küchen nicht zur Verfügung

„Noch nicht“ bedeutet nicht „geschmacklos“. Die mittelalterliche Küche arbeitete mit einer anderen Speisekammer: Getreide, Hülsenfrüchte, Kohl, Rüben, Obst, Nüsse, Kräuter, Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Honig und vielen regionalen Varianten.

Spurensuche statt Kochshow

Wie wir mittelalterliches Essen überhaupt kennen

Kochbücher überliefern vor allem anspruchsvollere Küchen. Rechnungen und Speiseordnungen stammen häufig aus Höfen, Klöstern, Spitälern oder großen Haushalten. Bilder zeigen besonders gern Feste, religiöse Mahlzeiten oder repräsentative Tafeln. Der Alltag armer Menschen bleibt darin leiser.

01

Schrift

Rechnungen, Speiseordnungen und Kochbücher nennen Zutaten, Mengen und Regeln, meist für Institutionen oder Begüterte.

02

Bild

Buchmalerei zeigt Räume, Gesten und Geschirr, verdichtet aber häufig religiöse oder repräsentative Szenen.

03

Pflanze

Samen, Pollen und verkohlte Reste verraten, was angebaut, gelagert oder verarbeitet wurde.

04

Tierknochen

Arten, Schlachtalter und Schnittspuren zeigen Tierhaltung und Fleischverarbeitung an einem Fundort.

05

Gefäß

Formen, Rußspuren und chemische Rückstände geben Hinweise auf Kochen, Lagern und einzelne Zutaten.

06

Mensch

Zähne, Knochen und Isotope können Ernährung, Mangel und soziale Unterschiede über längere Zeiträume sichtbar machen.

Archäologie ergänzt diese Schieflage. Samen, Knochen, Latrinenfunde und chemische Rückstände in Gefäßen verraten Dinge, die niemand aufschrieb. Erst wenn mehrere Quellenarten zusammenpassen, wird aus einer Zutatenliste ein belastbares Bild von Ernährung.

Fünf bekannte Verkürzungen

Mythen über das Essen im Mittelalter im Faktencheck

Mythos 01

Alle Bauern aßen nur dünnen, geschmacklosen Brei.

Einordnung

Getreidespeisen waren wichtig, aber Gärten, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier und je nach Ort auch Fleisch oder Fisch erweiterten die Kost. Besitz und Ernte entschieden stark.

Mythos 02

Adlige aßen jeden Tag wie bei einem Festbankett.

Einordnung

Festtafeln demonstrierten Rang und wurden deshalb besonders häufig beschrieben und gemalt. Sie bilden keinen täglichen Speiseplan ab.

Mythos 03

Teure Gewürze verdeckten verdorbenes Fleisch.

Einordnung

Importgewürze waren Luxus. Wer sie bezahlen konnte, hatte keinen vernünftigen Grund, sie ausgerechnet für ungenießbares Fleisch zu verschwenden.

Mythos 04

Fleisch war für einfache Menschen völlig unbekannt.

Einordnung

Menge und Häufigkeit schwankten stark. Vieh, Schlachtzeit, Einkommen, Rechte, Krisen und Region sind aussagekräftiger als eine pauschale Regel.

Mythos 05

Wasser war immer untrinkbar, deshalb tranken alle nur Bier.

Einordnung

Menschen nutzten Brunnen, Quellen und Leitungen. Wasserqualität konnte problematisch sein, doch Bier und Wein hatten zugleich soziale, regionale und wirtschaftliche Gründe.

Speisekammer geschlossen

Das Wichtigste über mittelalterliche Ernährung in Kürze

  1. Getreide war vielerorts der wichtigste Kalorienlieferant und wurde sehr unterschiedlich verarbeitet.
  2. Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Milchprodukte, Eier, Fisch und Fleisch ergänzten die Grundlage.
  3. Region, Jahreszeit, Ernte, Vermögen und Religion prägten den Speiseplan stärker als eine universelle „Mittelalterküche“.
  4. Wohlstand zeigte sich in Menge, Brotqualität, Auswahl, Gewürzen, Geschirr und Präsentation.
  5. Trocknen, Dörren, Salzen, Räuchern, Säuern und Lagern machten Vorräte planbarer.
  6. Fasten- und Festtage veränderten Zutaten, Menge und Bedeutung einer Mahlzeit.
  7. Kartoffeln, Tomaten, Mais, Kakao, Kaffee und Vanille gehörten nicht zur europäischen mittelalterlichen Küche.
  8. Unser Wissen entsteht erst aus dem Zusammenspiel von Texten, Bildern und archäologischen Funden.

Kurz gefragt

Häufige Fragen zum Essen im Mittelalter

Was aßen Bauern im Mittelalter?

Häufig Getreidespeisen, Brot, Hülsenfrüchte und Gemüse. Dazu kamen je nach Hof, Region und Jahreszeit Obst, Milchprodukte, Eier sowie unterschiedlich viel Fleisch oder Fisch. Besitz und Ernte machten große Unterschiede.

Gab es im Mittelalter schon Kartoffeln?

Nein. Kartoffeln stammen aus Amerika und gelangten erst nach dem Mittelalter nach Europa. Brei und Eintöpfe wurden deshalb mit Getreide, Hülsenfrüchten, Kohl, Rüben und anderen verfügbaren Pflanzen zubereitet.

Aßen Menschen im Mittelalter viel Fleisch?

Das hing von Zeit, Region, Stellung und Wirtschaft ab. Fleischkonsum konnte nach Bevölkerungsverlusten steigen und in armen Haushalten oder Krisenzeiten stark sinken. Eine allgemeine Menge für das ganze Mittelalter wäre irreführend.

Welche Gewürze gab es im Mittelalter?

Heimische Kräuter, Senf, Zwiebeln, Knoblauch und Meerrettich waren wichtige Würzen. Reiche Haushalte verwendeten außerdem teure Importwaren wie Pfeffer, Zimt, Safran, Nelken oder Ingwer.

Tranken alle Menschen Bier statt Wasser?

Nein. Wasser aus Brunnen und Quellen gehörte zur Versorgung. Bier und Wein waren ebenfalls bedeutend, aber ihre Verbreitung, Qualität und Rolle unterschieden sich regional und sozial.

Quellen & Literatur

Worauf dieser Artikel beruht.

  1. Historisches Lexikon Bayerns: ErnährungFachbeitrag zu Quellen, Getreide, Gartenkost, Fleisch, Konservierung, Fasten, Hunger und sozialen Unterschieden.
  2. Germanisches Nationalmuseum: Stadt und LandMuseale Digital Story zu Grundnahrungsmitteln, sozialer Stellung, Wild, Getränken und Tischkultur.
  3. Kloster Maulbronn: Vom Essen im KlosterDenkmalfachliche Einordnung von Mahlzeiten, Fasten, Brot, Gemüse, Obst, Fisch und Refektorium.
  4. Jan Keupp: Tafelfreuden im Mittelalter?Universität Münster; Beitrag zu Brot als Statusanzeiger, höfischer Repräsentation und sozialer Hierarchie.
  5. Universität Bielefeld: Essen in Mittelalter und RenaissanceQuellenbasierte Unterrichtsreihe zu Speiseplänen, Gesellschaftsordnung und historischen Rezepten.
  6. Dunne et al.: Diet and the medieval peasant at West CottonArchäologische Studie zu Gefäßrückständen, Tierknochen, Pflanzenfunden und bäuerlicher Ernährung, Journal of Archaeological Science 107 (2019).
  7. Bildnachweis: Mittelalterliches FestmahlBritish Library Add MS 28162, fol. 10v, Frankreich 1290–1300; gemeinfrei via Wikimedia Commons.
  8. Bildnachweis: Brot im Tacuinum SanitatisCasanatense 4182, 14. Jahrhundert; gemeinfreie Reproduktion via Wikimedia Commons.
  9. Ernst Schubert: Essen und Trinken im MittelalterWissenschaftliche Gesamtdarstellung, 2. Auflage, Darmstadt 2010.
  10. Massimo Montanari: Der Hunger und der ÜberflussKulturgeschichte der Ernährung in Europa, München 1993.

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